Wald, Forst & Naturschutz
Die Forstverwaltung leistet mit der Bewirtschaftung des ca. 15.960 ha großen Waldvermögens einen ganz bedeutenden Beitrag zur Erfüllung der Aufgaben des Landesverbandes. Die zentrale Forstabteilung und die 2 Forstämter Horn und Schieder mit den nachgeordneten 15 Forstbetriebsbezirken verantwortet folgende Funktionen:
- Wirtschaftlichkeit des Forstbetriebes
- Schutz der Natur
- Förderung der Erholung
- Pflege der lippischen laubholzreichen Landschaft und
- Organisation von Jagd und Fischerei.
Die Erfüllung der Nutzungsansprüche in Form von gleichrangig zu bewertenden Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen wird am erfolgreichsten durch einen funktionsbezogenen Waldbau auf ökologischer Grundlage erreicht. Die forstwirtschaftliche Nutzung orientiert sich an der Notwendigkeit, die zu erwirtschaftende Erträge mit ökologischen Erfordernissen in Einklang zu bringen.
Jede Baumart und Waldform ist an bestimmte Klima- und Bodenverhältnisse angepasst. Auf ungeeigneten Standorten werden Wälder labil gegenüber vielerei Gefahren. Daher wurde schon frühzeitig, moderneren forstwissenschaftlichen Erkenntnissen folgend, von 1957 - 1962 eine Standortkartierung mit detaillierten botanischen, chemischen und bodenphysikalischen Untersuchungen durchgeführt. Auf dieser Grundlage konnten die traditionelle lippische Laubholzwirtschaft verbessert sowie stabile leistungsfähige Wälder herangepflegt werden.
Die Region Lippes besitzt auf kleiner Fläche eine große Standortvielfalt. Von den Geologen gern scherzhaft als "verworfenste Gegend" Deutschlands bezeichnet, wechseln kleinräumig geologische Formationen der Kreide, des Jura, des Keupers und des Muschelkalks. Westlich des Teutoburger Waldes, in der Senne und im nördlichen Teil Lippes prägen eiszeitliche Ablagerungen die Bodenbildung. Aus der Senne herübergewehter Flugsand findet sich auch in den Tälern, Plateaulagen, ja vereinzelt sogar östlich des Teutoburger Waldes. Mit Ausnahme der Rät- und Schilfsandsteine des Keupers, der Neocom- und Gaultsandsteine der unteren Kreide und der diluvialen Sandgebiete überwiegen Laubholzböden guter Leistungsfähigkeit. Dominierend sind daher ausgedehnte Buchenbestände (49 %), häufig in Mischung mit Lärche und den Edellaubhölzern Esche, Ahorn, Kirsche und Ulme.
Lippe liegt im Buchenoptimumgebiet mit Buchenbeständen ausgezeichneter Qualität. Die Eiche nimmt 10 % der Fläche bei hohen Vorräten in den höheren Altersklassen ein. Auf vielen Standorten werden Bestände mit Furnierqualitäten erzeugt. Nadelholzbestände stocken auf 32 % der Fläche. Ihre Altersklassenstruktur ist bei Dominanz der jüngeren Altersklassen nicht ausgeglichen. Dies ist die Folge umfangreicher Nachkriegsaufforstungen nach erheblichen Übernutzungen (ca. 650.000 cbm) in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Die leichte Verschlechterung des Waldzustandes ist auch auf die immer noch zu hohen Immissionen von Schadstoffen zurückzuführen. Denn Schadensschwerpunkte sind nach wie vor die Kammlagen des Teutoburger Waldes und Eggegebirges, die durch ihre Riegelstellung gegenüber den Westwinden überdurchschnittliche Niederschlagsmengen und Nebelhäufigkeiten aufweisen. Den mittel- und langfristigen Forstplanungswerken liegt eine wirtschaftliche und betriebliche Zielsetzung zugrunde. Sie umfasst unter dem Ziel der Sicherung eines hohen Laubholzanteils gemäß den durch die Standortkartierung ausgewiesenen laubholztauglichen Standorten auch eine ertragssteigernde Zielsetzung. Dabei sollen hohe Produktionszeiträume (= Umtriebszeiten) für die Laubhölzer gute Voraussetzungen für eine hohe Massen- und insbesonders Wertproduktion ermöglichen. Die Einbringungen standortgerechter, stabiler Mischbaumarten wird gefördert.
Die Belange des Landschaftsschutzes sowie ein angemessener Biotop- und Artenschutz werden bei allen waldbaulichen und wirtschaftlichen Vorhaben in hohem Maße berücksichtigt. Im Nahbereich der Kur- und Erholungsgebiete und in den betreuten Naturschutzgebieten ist dieses Ziel vorrangig. Eine bewegliche, den aktuellen Marktverhältnissen angepasste Betriebsführung trägt dazu bei, die waldbaulich begründeten Ertragssteigerungen zu optimieren. Dazu gehört auch die Ausschöpfung von Nebennutzungen und die Bewirtschaftung von Nebenbetrieben.
Neben 2 Steinbrüchen wird auch eine Kiesgrube betrieben. Im Interesse der lippischen Bevölkerung und zur Förderung der Bäder, Luftkurorte und ländlichen Pensionen wurden Erholungseinrichtungen geschaffen. Ca. 170 km Wanderwege, Reitwege, Trimmpfade, Waldlehrpfade, Spielplätze, Parkplätze mit rd. 1.500 Stellplätzen, 1 Skilift mit Rodelbahn, Wildgehege, Landschftsteiche, Grillplätze und Schutzhütten erfordern jährlich hohe Aufwendungen. Darüber hinaus betreut die Forstabteilung 4 Waldnaturschutzgebiete mit über 320 ha; weitere Naturschutzgebiete befinden sich in der Planung.
Die lippischen Sehenswürdigkeiten: Externsteine, Grotenburg mit Hermannsdenkmal, Burg Sternberg, Donoperteich, Westfälisches Freilichtmuseum und Emmerstausee liegen im oder am Wald des Landesverbandes Lippe und profitieren von den landschaftspflegerischen Leistungen vorbildlicher Waldpflege.
In der vielgestaltigen und abwechslungsreichen Landschaft zwischen Senne und Weserbogen ist Raum für einen artenreichen bedeutenden Wildbestand. Hier leben Rot- , Dam- und Rehwild, Muffel und Schwarzwild (Wildschwein) sowie zahlreiche Niederwildarten als Standwild. Der Landesverband Lippe verwaltet mit Domänenflächen ca. 17.300 ha Eigenjagdfläche. Diese sind zu 75 % verpachtet und zu 25 % im Dienstverhältnis an aktive Forstbeamte zu Sonderbedingungen gegen Zahlung einer angemessenen Nutzungsentschädigung vergeben. Das Ziel der Jagdnutzung ist die Erhaltung eines den landschaftlichen Verhältnissen angepassten, artenreichen, gesunden Wildbestandes bei möglichster Vermeidung von Wildschäden. Die Wildbestandsregulierung sichert auch eine artenreiche Fauna und Flora sowie die natürliche Verjüngung der Wälder. Dem Landesverband Lippe steht als Rechtsnachfolger des ehemaligen Landes Lippe auf rd. 486 km fließenden Gewässern das Fischereirecht und das Gewässereigentum zu. Dies sind ca. 70% der Fließgewässer im Gebiet der Fischereigenossenschaft Lippe, deren Geschäftsführung seit 1974 durch die Forstabteilung erfolgt. Von den 38 ha Teichflächen werden 21,8 ha in Eigenregie bewirtschaftet und 16,2 ha verpachtet. Hervorzuheben ist die Karpfen- und Schleienzucht im 12,5 ha großen Norderteich, der auch als Naturschutzgebiet große Bedeutung hat. Auch für den 90 ha großen Stausee Schieder besitzt der Landesverband Lippe die Fischereirechte






