Lippische Landesbibliothek
Als offizielles Gründungsdatum der Lippischen Landesbibliothek gilt das Jahr 1614, als der regierende Graf und Edle Herr Simon VII. zur Lippe die "Gräflich öffentliche Bibliothek" in der Kirche des nach der Reformation aufgehobenen Augustinerinnen-Klosters zu Detmold gründete und sie der dort wenige Jahre zuvor ins Leben gerufenen Lateinschule als Schulbibliothek überwies. Diese Lateinschule, später Provinzialschule, ist die Vorgängerin des heutigen Gymnasiums Leopoldinum. Die Bibliothek musste nicht von Grund auf neu aufgebaut werden, sondern geht auf den mehr als 3.500 Bände starken Bücherschatz zurück, den sein Vater Simon VI. von 1567 an bis zu seinem Tode 1613 zusammengetragen und im Schloss Brake bei Lemgo aufgestellt hatte.
Lippische Landesbibliothek, Freihandbereich
Fürstin Pauline zur Lippe gründete die Lippische Landesbibliothek als eine der Allgemeinheit dienenden Gebrauchsbibliothek im modernen Sinn. Diese vom Bildungsgedanken der Aufklärung geprägte Regentin, die darüber hinaus über eine eigene ansehnliche Handbibliothek verfügte, führte die Schulbibliothek mit weiteren, im Laufe der Zeit in Detmold entstandenen Büchersammlungen zusammen und stiftete daraus die "Fürstlich Öffentliche Bibliothek zu Detmold".
Räumliche Enge zwang die mittlerweile auf rund 60.000 Bände angewachsene Bibliothek 1886 zum Umzug in das 1842/43 von einem wohlhabenden Kaufmann erbaute klassizistische Palais an der Hornschen Straße, wo sich die Bibliothek noch heute befindet. Der offizielle Name "Lippische Landesbibliothek" rührt aus dem Jahre 1919, als die zum Domanium zählende Bibliothek mit der übrigen ehemals fürstlichen Vermögensmasse auf den Freistaat Lippe überging. 1948 ging die Landesbibliothek auf den zur Verwaltung des lippischen Landesvermögens geschaffenen Landesverband Lippe über.
Lippische Landesbibliothek, Eingangsbereich
Die Lippische Landesbibliothek ist heute mit rund 500.000 Bänden eine der großen hochschulunabhängigen Bibliotheken. Als moderne Regionalbibliothek in Ostwestfalen-Lippe mit langer Tradition dient sie der Forschung, der Lehre und dem Studium, der beruflichen Arbeit, der Fortbildung und der Information. Sie vermittelt bibliographische und Sachinformationen zu jedem beliebigen Thema. Der Schwerpunkt des Literaturbestandes liegt traditionsgemäß auf den Geisteswissenschaften im weitesten Sinne, Geschichtswissenschaft, Sprach- und Literaturwissenschaften, Musik und Kunst, aber auch Wirtschafts- und Sozialwissenschaften; die übrigen Wissenschaftsfächer sind bedarfsorientiert ausgebaut. Als Landesbibliothek sammelt, erschließt und vermittelt die Detmolder Bibliothek die auf Lippe bezogene Literatur mit Anspruch auf Vollständigkeit. Dieses Regionalschrifttum wird in der Lippischen Bibliographie Online dokumentiert.
Die Sondersammlungen und -abteilungen der Landesbibliothek, das Grabbe-Archiv, die Freiligrath-Sammlung, das Georg-Weerth-Archiv, zusammengefasst im Lippischen Literaturarchiv und seit 1990 im Grabbe-Haus untergebracht, die Bandel-Sammlung sowie die Musiksammlung mit dem Lortzing-Archiv genießen internationalen Ruf als Quellensammlungen für die literatur-, kunst- und musikwissenschaftliche Forschung.
Die Lippische Landesbibliothek wurde in den Jahren 1991-1993 zu einem modernen Dienstleistungszentrum ausgebaut: partielle Freihandaufstellung, EDV-gestützte Dienstleistungen und Geschäftsgänge, Ausleihverbuchung, OPACs und Online-Dienste gewähren zeitgemäße und zukunftsorientierte Bibliotheksarbeit und -benutzung. Seit 1992 ist die Bibliothek dem Verbundsystem des Landes Nordrhein-Westfalen angeschlossen.







