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Stipendium

Junge Kunst im alten Künstlerort

Alessia Schuth ist die Stipendiatin 2021

Die neue Stipenditin im Künstlerhaus Schwalenberg ist  Alessia Schuth aus Stuttgart. Sie überzeugte die Jury  mit ihrer Malerei sowie ihren faszinierenden, filigran wirkenden und dennoch monumentalen Skulpturen aus Thermoplast, die sie mit einem 3-D Stift herstellt. Sie wird vom 1. Mai bis 31. Oktober 2021 im Künstlerhaus Schwalenberg leben und arbeiten, zum Ende des Stipendiums werden ihre Arbeiten im Robert Koepke Haus in Schwalenberg präsentiert.

Alessia Schuth vor ihrer Installation “RandNah”, Diplom Wintersemster, Januar 2020. (c) Foto: Nadine Bracht.

 

Alessia Schuth beschäftigt sich mit den Geschlechterrollen und konzentriert sich seit Abschluss ihres Studiums auf die Arbeit mit Thermoplasten, der Einsatz dieses Materials ist ungewöhnlich in der Kunst. Alessia Schuth arbeitet mit Polylactid (PLA), welches durch Erhitzen formbar wird und in wenigen Sekunden des Abkühlens aushärtet. Dazu benutzt sie einen portablen 3D-Drucker, der, wie ein Stift, das flächige Zeichnen, aber auch das Zeichnen in der Luft ermöglicht. Das Material bleibt auch nach der Verarbeitung hitzeempfindlich und kann dadurch in seiner Form weiter verändert werden. Ebenso kann man einzelne Fragmente verschmelzen und dadurch Gebilde erweitern. Mit dieser Technik entstehen faszinierende, fragile, fremdartig wirkende Skulpturen und Bilder, die sowohl die Assoziation an alte „weibliche“ Handwerktechniken wie Sticken und Spitzenklöppeln aufkommen lassen, als auch Kritik an der Umweltzerstörung durch hoe Kunststoffaufkommen üben.

Thematisch interessiert Schuth der historische Blick auf die Weiblichkeit, welcher überwiegend männlich geprägt ist, der Einfluss traditioneller Ansichten auf den Zeitgeist und das Aufbrechen der Geschlechterrollen in der aktuellen Gesellschaft. In ihrer Bildserie „Pussy Diaries“ versucht sie den Akt malerisch neu zu interpretieren und von der männlichen Sicht auf den weiblichen Körper zu lösen. Diese Arbeit warf neue Fragen auf, zum Beispiel, ob es überhaupt möglich ist, den Akt von der Historie zu lösen, wenn man in patriarchalen Strukturen aufgewachsen ist oder vor dem Entwickeln einer neuen Betrachtungsweise nicht zunächst eine reaktionäre Phase durchlaufen werden muss.

In den sechs Monaten in Schwalenberg möchte Alessia Schuth sich mit der Romantisierung der Geschlechterrollen im Zeitalter der Digitalisierung auseinandersetzten: Was macht es mit einer Generation, die selbst nicht für Frauenrechte gekämpft hat, sich befreit und gleichberechtigt fühlt, in sozialen Median aber stilisierte, traditionelle Geschlechterrollen als Vorbild präsentiert bekommt. Wie fragil sind die errungenen Fortschritte?

Wichtig ist dabei auch die Berücksichtigung der Body Positivity Bewegung, die auf die unrealistischen Schönheitsideale reagiert, für die sogar Topmodels in Photoshop nachbearbeitet werden. Die Künstlerin möchte sich diesen Fragestellungen in formal unaufgeregter, ruhiger Weise nähern.

Alessia Schuth wurde 1987 in Villingen-Schwenningen geboren. Sie studierte von 2010-2011 an der Kunstakademie in Regensburg bei Stefan Göler und Georg Fiederer und von 2012-2020 Bildende Kunst an der AbK Stuttgart bei Prof. Cordula Güdemann und Prof. Rolf Bier. Im Februar 2020 erlangte sie ihr Diplom Bildende Kunst, und seit 2020 hat sie einen Lehrauftrag Bildende Kunst an der AbK Stuttgart.

2019-2020 war sie im GOPEA Förderjahrgang und von 2016-2020 hatte sie ein Stipendium der Künstlerförderung des Cusanuswerks, Bonn, sowie von 2020-2021 im Mathilde-Planck.-Lehrauftragsprogramm, Baden-Württemberg.

 

 

Alessia Schuth, RandNah, Installation, 190 x 330 x 200 cm, Thermoplast, PLA, Bronze, acryl, Leinwand, 2020.

 

Das Künstlerhaus in Schwalenberg

Blick ins Atelier

Unsere Stipendiaten:

2020: Maria Trezinski *** 2019: Paloma Riewe *** 2018: Klaus Schiffermüller *** 2017: Ankabuta *** 2016: Johanna K Becker *** 2015: Anastasiya Nesterova *** 2014: Undine Bandelin *** 2013: Karin Brosa *** 2011/2012: Ayse Öykü, Yunyi Liu *** 2010/2011: Ericson Krüger, Robert Matthes ***2009/ 2010: Kathrin Hoffmann, Ji Eun Yoon *** 2008/2009:Christin Lutze, Ina Weißflog *** 2007/2008: Daniela Löbbert, Jonas Karnagel***

 

Allgemeine Informationen:

Jedes Jahr schreibt der Landesverband Lippe ein sechsmonatiges Stipendium in der Sparte bildende Kunst aus. Die Wohn- und Arbeitsstätte der Stipendiatin/des Stipendiaten befindet sich im Künstlerhaus in Schwalenberg. Dieses bietet einen eindrucksvollen Blick über die einzigartige Landschaft, die schon die Künstlerinnen und Künstler der Künstlerkolonie inspiriert hat.  

Die Malerstadt Schwalenberg im Südosten Lippes ist seit dem 19. Jahrhundert ein Anziehungspunkt für Künstler, die in der idyllischen Umgebung Inspirationen für ihr künstlerisches Arbeiten fanden. Im frühen 20. Jahrhundert etablierte sich dort eine Künstlerkolonie.

Seit den 1970er Jahren führt der Landesverband Lippe die Tradition der Malerstadt als Kunstort in Kooperation mit der Stadt Schieder-Schwalenberg fort durch regelmäßige Kunstausstellungen, die Schwalenberger Sommerakademie und Kunstevents. Das Schwalenberg-Stipendium des Landesverbandes Lippe für Bildende Kunst gibt es seit den frühen 1980er Jahren. Ziel des Stipendiums ist die Förderung junger Bildender Künstler. Damit einher geht eine Etablierung Schwalenbergs als Ort einer lebendigen zeitgenössischen Kunstszene in Anknüpfung an die Tradition der Künstlerkolonie Schwalenbergs. Die Stipendiaten leben und arbeiten im Künstlerhaus, das neben Appartements für Künstler ein Gemeinschaftsatelier mit einem idyllischen Blick über das Tal bietet.

Der/Die StipendiatIn wird von einer Jury sowie der Kulturagentur des Landeverbandes Lippe ausgewählt und betreut. Der/die StipendiatIn muss seinen Wohnsitz in Schwalenberg aufnehmen und auf eine Abschlussausstellung hinarbeiten, die im Oktober zum Ende des Stipendiums stattfindet.

Im Robert Koepke Haus wird zeitgenössische Kunst von überregional renommierten Künstlern gezeigt. Unter dem Titel “Stipendiat & friends”  werden 2-3 junge, zeitgenössische künstlerische Positionen aus dem Umfeld des Stipendiaten (eine Stadt, eine Kunsthochschule) gezeigt. Dabei steht der Stipendiat im Mittelpunkt. Zur Bewerbung oder im Laufe des Stipendiums kann der Stipendiat Gastkünstler vorschlagen.

Ein im Zeitraum des Stipendiums entstandenes Werk muss der/die KünstlerIn dem Landesverband zu Dokumentationszwecken als Schenkung zur Verfügung stellen, die Arbeit wird von der Kulturagentur ausgewählt.

(Änderungen vorbehalten)

Abbildung: Blick auf die Malerstadt Schwalenberg. Foto: D. Sondermann

Malerin Maria Trezinski ist  Stipendiatin 2020

Vom 1. Mai bis zum 31. Oktober 2020 wird wieder eine Künstlerin im Künstlerhaus in Schwalenberg leben und arbeiten.

Maria Trezinski wurde 1994 in Braunschweig geboren. Nach einer Hochbegabtenförderung Kunst Niedersachsen im Jahr 2010-11 studierte sie von 2011 bis 2016 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Kunst in Braunschweig, wo sie 2016 ihr Diplom erlangte. Es folgte 2016-2017 ein Studienaufenthalt mit einem Erasmus-Stipendium an der École de recherche graphique in Brüssel in der Klasse von M. Berlanger. Im Jahr 2017 war sie Meisterschülerin bei Prof. Wolfgang Ellenrieder an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. 2018 hatte sie ein Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus in Meinersen. Maria Trezinski lebt und arbeitet in Braunschweig und Speyer.

Die Künstlerin Maria Trezinski aus Speyer überzeugte die Jury  mit ihren teils großformatigen, gestischen Malereien mit expressiven Farben und ihrem Konzept. Sie wird vom 1. Mai bis 31. Oktober 2020 im Künstlerhaus Schwalenberg leben und arbeiten, zum Ende des Stipendiums werden ihre Arbeiten im Robert Koepke Haus in Schwalenberg präsentiert.

Maria Trezinski findet die Bildmotive für ihre Malereien ausschließlich in der Natur. Dabei sucht sie Objekte, die sie durch ihre Textur und ihren strukturalen Aufbau faszinieren, die jedoch auch fremdartig, gefährlich oder sogar ekelhaft auf den Betrachter wirken können. So malt sie nicht nur Pflanzen, sondern auch stark vergrößerte Insekten wie Käfer, Wespen und Fliegen, aber auch Pilze sowie Knochen und Innereien von Tieren. Der Betrachter wird mit einer Welt konfrontiert, die normalerweise unsichtbar bleibt und gemieden wird. Trezinski bricht mit den Mitteln der Malerei unsere gewohnte Perspektive auf und legt die faszinierende Ästhetik frei, die vielen vermeintlich abstoßenden Phänomenen innewohnt. Das Spannungsfeld zwischen Kunst und Forschung, der Gegensatz zwischen gestischer, emotionaler Malerei und genauer Betrachtung, zieht sich wie ein roter Faden durch Trezinskis Werk.

Während ihres Aufenthaltes in Schwalenberg möchte Maria Trezinski eine Rauminstallation für das Robert Koepke Haus erarbeiten, die sich mit Reisetagebüchern und –skizzen von Forschungsreisenden auseinandersetzt – vor allem mit Charles Darwin und Alexander von Humboldt. Forschungsreisende ergänzten ihre Aufzeichnungen und Skizzen oft durch Arbeitsproben und Naturalienfunde wie Vogelbälge oder Samenkapseln. Die Installation soll aus einer Kombination von Malereien verschiedenster Formate, Keramiken sowie aus Fundstücken aus der Umgebung bestehen. Damit möchte Trezinski die Üppigkeit der Wunderkammern imitieren und visuelle Wechselspiele zwischen den einzelnen Arbeiten erzeugen.

Link zum Video über die Künstlerin (aufgenommen im Quarantänestübchen):

HIER KLICKEN.

Quelle/Copyright: Kelter/Kulturverein Schwalenberg e. V.

 

Maria Trezinski, Amanita. (Subtle Recall, Öl und Sprühfarbe auf Leinwand, 160 x 460 cm, 2018) Installationsansicht, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, 2019. Foto: Trezinski.

Maria Trezinski, Amanita, Öl-und Sprühfarbe auf Leinwand, 130 x 170 cm, 2019.Installationsansicht, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, 2019. Foto: Trezinski.

Maria Trezinski, © Foto: HBK Braunschweig Fotostudio

Schnellinfos

Adresse Dr. Mayarí Granados
Kunstreferentin Lippische Kulturagentur
Schlossstr. 11
32657 Lemgo
E-Mail E-Mail senden

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