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22. April 2018

Gleichberechtigung in der Kunst – ein langer, steiniger Weg

Künstlerinnen sind lange Zeit in der Kunstgeschichtsschreibung weitgehend vergessen worden – auch in Lippe. Die Ausstellung „Starke Frauen in der Kunst. Künstlerinnen im Aufbruch zur Moderne. Von Ida Gerhardi bis Ilse Häfner-Mode“ holt 19 Künstlerinnen, die im späten 19., frühen 20. Jahrhundert und zum Teil bis hinein in die Nachkriegszeit in Lippe gelebt und gewirkt haben, zurück in den Fokus der Öffentlichkeit. Sie wurde am heutigen Sonntag gemeinsam von Schirmherrin Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Landesverbandsvorsteherin Anke Peithmann und Jörg Bierwirth, Bürgermeister von Schieder-Schwalenberg, in der Städtischen Galerie Schwalenberg eröffnet und ist bis zum 17. Juni 2018 zu sehen.

„Die heutige Ausstellung ist aus zweifacher Hinsicht von Bedeutung: Sie zeigt die Werke bedeutender Künstlerinnen und sie hebt sie in die Öffentlichkeit“, sagte Ministerin Ina Scharrenbach. „Die Ausstellung bringt zum Ausdruck: Frauen können Mathematikerin, Bundeskanzlerin oder eben auch Malerin, Bildhauerin werden. Hier haben auch die Museen einen Bildungsauftrag. Sie können Frauen in der Kunst sichtbar machen. Denn es stimmt selten, dass nur Männer Kunstgeschichte geschrieben haben. Geschrieben haben sie auch die Frauen. Nur veröffentlicht wurden später dann hauptsächlich die Männer. Die Künstlerinnen in Lippe haben sich vernetzt, waren am Austausch interessiert, haben sich gegenseitig unterstützt. Die Ausstellung zeigt das. Und sie zeigt auch, wie sehr die Frauen durch ihr künstlerisches Wirken ihre Heimat mitgestaltet haben, ja geprägt haben“, so Scharrenbach.

Verbandsvorsteherin Anke Peithmann hob hervor, dass die Ausstellung, die von der Kulturagentur des Landesverbandes Lippe kuratiert wurde, das Ergebnis eines Forschungsprojektes ist, das die Fachstelle Geschichte des Lippischen Heimatbundes im Herbst 2012 initiierte. „Der Heimatbund zeigt mit diesem Projekt vorbildlich, wie das Thema Heimat bearbeitet werden kann: Professionell, wissenschaftlich und mit einer hohen gesellschaftlichen Relevanz auch für uns heute. Denn es ist wichtig, uns im Rückblick zu vergegenwärtigen, welche Künstlerinnen hier gelebt und gewirkt haben und wie sie die Kunst- und Kulturregion Lippe mitgeprägt haben.“ Der Landesverband Lippe habe dieses Projekt mit der Ausrichtung der Ausstellung sehr gern mitgetragen. In der begleitenden Publikation des Lippischen Heimatbundes, die von Dr. Stefan Wiesekopsieker im Verlauf der Vernissage präsentiert wurde, werden 20 Künstlerinnen mit Biografien und Werken vorgestellt. 19 von ihnen sind  mit Kunstwerken in der Ausstellung vertreten.

Die Kuratorinnen der Ausstellung, Dr. Mayarí Granados und Vera Scheef von der Kulturagentur des Landesverbandes Lippe, hoben hervor, dass Frauen vor dem 1. Weltkrieg das Studium an Staatlichen Kunstakademien zumeist verwehrt war. „Eine künstlerische Betätigung war zwar in höheren Kreisen als Zeitvertreib gerne gesehen, als ernsthafter Beruf jedoch als nicht standesgemäß verpönt. Frauen, die es dennoch wagten, sich beruflich der Kunst zu verschreiben, wurden als Malweiber verschrien, die ihren Pflichten als Mutter und Ehefrau nicht oder nur unzureichend nachkamen“, so Granados. Welch steinigen Weg Frauen gehen mussten, um sich als Künstlerin im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert durchsetzen und gesellschaftlich Anerkennung erlangen zu können, machten die Ausstellung und die Begleitpublikation beispielhaft für Lippe deutlich.

 

Abbildung: Schirmherrin Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung (3.v.r.) mit Verbandsvorsteherin Anke Peithmann (2.v.r.) und Bürgermeister Jörg Bierwirth (4.v.r) sowie mit den beiden Kuratorinnen, Dr. Mayarí Granados und Vera Scheef (3.v.l. und 2.v.l.) und den Herausgebern der Begleitpublikation, Dr. Stefan Wiesekopsieker (l.) und Jürgen Scheffler (r.) (Foto: Landesverband Lippe).

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